1. Persönlichkeitsstörungen

Was sind Persönlichkeitsstörungen?

Leidet jemand, den du kennst, an einer Persönlichkeitsstörung, weist die betroffene Person langfristige und tiefgreifende Muster im Denken, in der Wahrnehmung und im Verhalten auf, die von der „Norm“ abweichen. Das heisst, sie denkt anders, nimmt gewisse Dinge anders wahr und verhält sich anders, als „gesunde Menschen“. Unter diesen Mustern leiden Betroffene und/oder sie werden durch sie im Alltag stark eingeschränkt.

Insgesamt gibt es in der Psychologie 10 Arten von Persönlichkeitsstörungen, die aufgrund ihrer Ähnlichkeit jeweils drei Gruppen (Cluster) zugeordnet werden. Die Gruppe A gilt als „sonderbar“ und „exzentrisch“, Gruppe B als „dramatisch“ und „emotional“, während Gruppe C „ängstlich und „furchtsam“ ist. Keine Sorge, du musst dir die Namen und Gruppen nicht merken. Ich erwähne sie an dieser Stelle einfach, damit du sie schon einmal gelesen hast und eine ungefähre Idee von ihnen bekommst:

1. Paranoide Persönlichkeitsstörung (Cluster A)

2. Schizoide Persönlichkeitsstörung (Cluster A)

3. Schizotypische Persönlichkeitsstörung (Cluster A)

4. Dissoziale oder Antisoziale Persönlichkeitsstörung (Cluster B)

5. Borderline-Persönlichkeitsstörung (Cluster B)

6. Histrionische Persönlichkeitsstörung (Cluster B)

7. Narzisstische Persönlichkeitsstörung (Cluster B)

8. Ängstlich-vermeidende (selbstunsichere Persönlichkeitsstörung) (Cluster C)

9. Dependente Persönlichkeitsstörung (Cluster C)

10. Zwanghafte Persönlichkeitsstörung (Cluster C)

Problematische Definition

In diesem Artikel gehen wir noch nicht auf die einzelnen Persönlichkeitsstörungen ein, obschon wir im Folgenden gleich drei von ihnen anschneiden werden, um ihre möglichen Auswirkungen auf Angehörige zu beleuchten. Es geht an dieser Stelle zunächst nur darum, dass du weisst, dass die Persönlichkeitsstörung in der Psychologie existiert und was sie bedeutet. In der Regel wird die Persönlichkeitsstörung folgendermassen definiert:


Die von einer Persönlichkeitsstörung betroffene Person weist langfristige und tiefgreifende Muster im Denken, in der Wahrnehmung und im Verhalten auf, die von der „Norm“ abweichen. Unter diesen Mustern leiden Betroffene und/oder sie werden durch sie im Alltag stark eingeschränkt.


Die geläufigen Definitionen berücksichtigen meist ausschliesslich die Betroffenen, weshalb die Persönlichkeitsstörung problematisch und umstritten ist. Denn als Bedingung dafür, dass eine Persönlichkeitsstörung vorliegt, wird angegeben, dass die betroffene Person anders denkt, wahrnimmt und sich anders verhält, als nicht betroffene Personen und zudem die betroffene Person unter diesem Muster leidet und/oder stark eingeschränkt ist. Die Persönlichkeitsstörung gilt deswegen als umstritten, weil eine Person, die solche besonderen Muster aufweist, je nach Umfeld entweder daran leiden oder aber durch sie noch mehr „Lebensqualität“ erfahren kann. Umgekehrt sind es oftmals die Mitmenschen, die unter den Mustern Betroffener leiden – vor allem, wenn manipulative und fremdschädigende Verhaltensmuster die Persönlichkeitsstörung der betroffenen Person auszeichnen.


Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Weist z.B. jemand narzisstische Züge auf, die ihn oder sie sehr egoistisch, unempathisch und besonders ehrgeizig machen, wird die Person sich in einem Umfeld, in dem ein Konkurrenzkampf herrscht und Leistungen zählen, wahrscheinlich sehr wohl fühlen. Unsere moderne Leistungsgesellschaft ist beispielsweise geradezu auf narzisstische Persönlichkeiten zugeschnitten. Diese Person sieht ihr gesamtes Leben als Wettkampf an und behandelt ihr Umfeld mehr oder weniger nach dieser Vorstellung, sodass sie sich (oft als einzige Person) darin wohlfühlt. Jeder, der sich auf sie einlässt, wird zwangsläufig in ihre „psychologischen Spielchen“ hineingezogen, die alleine dem Zweck dienen, dass die narzisstische Person „gewinnt“ und die andere Person „verliert“. Selbst in engen Beziehungssystemen, in denen die narzisstische Person andere häufig für ihre eigenen Zwecke einspannt, kann sie sich im Gegensatz zu den Angehörigen mit ihren abweichenden Verhaltensweisen sehr wohlfühlen. Ihr übermässiger Egoismus und ihre fehlende Empathie treiben sie dazu, andere zu unterwerfen und erleichtern ihr das Leben sogar noch – auf Kosten anderer, versteht sich. Sie leidet also nicht, die anderen allerdings umso mehr.


Dissoziale oder antisoziale Persönlichkeitsstörung

Ein weiteres problematisches Beispiel stellt die dissoziale oder antisoziale Persönlichkeitsstörung dar. Weist jemand beispielsweise in einem kriminellen Umfeld antisoziale Eigenschaften auf – wir sprechen in diesem Fall von Soziopathie bzw. Psychopathie – kann auch diese Person sich wohlfühlen und weder leiden noch durch ihre Muster eingeschränkt sein. Vielmehr könnten ihr ihre rücksichtslosen, skrupellosen und in manchen Fällen sogar sadistischen Eigenschaften entgegenkommen, während es auf der anderen Seite ihre Mitmenschen sind, die darunter leiden.



Borderline-Persönlichkeitsstörung

Eine weitere Persönlichkeitsstörung, die die geläufigen Definitionen der Persönlichkeitsstörung in Zweifel zieht, ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Eine betroffene Person legt in der Regel manipulative Verhaltensweisen an den Tag, die sich in diesem Fall über das borderline-typische Verhaltensmuster ausdrücken. Angehörige werden über ihr Mitleid, ihr Gewissen und ihr Schuldgefühl manipuliert und zu Handlungen gedrängt, die sie von sich aus nicht ausführen würden, um die Bedürfnisse Betroffener zu erfüllen. Dabei sind die Angehörigen häufig einem langfristigen Beziehungssystem mit der betroffenen Person unterworfen, in dem Letztere sie regelmässig emotional erpresst und durch Schuldgefühle „unter Kontrolle“ hält. Im Gegensatz zur „Psychopathie“ bzw. „Soziopathie“ und zum „Narzissmus“ geschieht das zwar üblicherweise nicht in der böswilligen Absicht oder mit einer bewussten Inkaufnahme, Angehörigen zu schaden, sondern aus einer unterbewussten Angst und Hilflosigkeit heraus. Für die Angehörigen ändert das jedoch nichts an der Tatsache, dass ihnen durch manipulative Verhaltensmuster Betroffener massives Leid zugefügt wird. Selbst, wenn im Fall einer Borderline-Persönlichkeitsstörung also keine absichtliche Fremdschädigung im Spiel ist und von Betroffenen unter Umständen sogar Schuld und Scham erfahren werden, so wird zum Selbstschutz die Unversehrtheit der Angehörigen dennoch geopfert. Ob und inwiefern hier von Egoismus gesprochen werden kann, ist schwierig zu beantworten. Einerseits ist auch Fremdschädigung zum Selbstschutz ein egoistisches Verhalten, andererseits könnten panische Angst- und Stresszustände zu Kurzschlussreaktionen führen, über die Betroffene keine Kontrolle haben, weil die Prozesse unterbewusst ablaufen. Die auf die Borderline-Persönlichkeitsstörung spezialisierte psychologische Beraterin Manuela Rösel schreibt in ihrem Buch Wenn lieben weh tut: „Gedanken an das Opfer oder die Wirkung der Erpressung sind tatsächlich nicht vorhanden. Sie massen sich eine Macht an, die sie nicht besitzen, die sie aber durch ihr Opfer erhalten.“ Sie fügt hinzu, dass die emotionale Erpressung stets ein Ausdruck von Hilflosigkeit sei.



Belastung für Angehörige

Das Wissen um den Beweggrund zur Fremdschädigung kann Angehörigen zwar helfen, der betroffenen Person und deren Verhaltensmuster mehr Verständnis entgegenzubringen. Es darf jedoch dabei nicht die Tatsache aus den Augen verloren werden, dass Angehörigen mit diesem Verhaltensmuster geschadet wird. Die Angehörigen haben ebenfalls ein Recht auf Unversehrtheit, weshalb auch sie sich schützen dürfen. Jede Beziehung, in der jemand manipuliert wird, ist toxisch und sollte von Angehörigen unbedingt verändert oder notfalls auch abgebrochen werden. Ob das Muster Betroffene einschränkt oder bevorteiligt, hängt unter anderem vom Umfeld ab. Dass Personen mit den beschriebenen Eigenschaften ein gestörtes Verhalten an den Tag legen, ist für einen „gesunden Menschen“ zwar nicht von der Hand zu weisen. Dieses gestörte Verhalten wird durch „unglückliche“ Definitionen der Persönlichkeitsstörung in der Psychologie jedoch häufig angezweifelt. Leid wird dennoch erfahren, und zwar nicht (zwingend) von den Betroffenen, sondern von den Angehörigen und den Mitmenschen. Diese werden zum Selbstschutz, zur Selbsterhöhung oder aus Schadenfreude von Betroffenen verbal, emotional und körperlich misshandelt. Durch manipulative Rhetorik werden die Opfer im Anschluss glauben gemacht, dass sie schuld bzw. verantwortlich für dieses misshandelnde Verhalten sind, die Betroffenen bzw. die Täter hingegen die eigentlichen Opfer. So werden die Rollen vertauscht und es entsteht ein nährboden für langfristige Unterdrückung, Misshandlung und Ausbeutung.

Unterstützung für Angehörige

Bist du selber von solch einer Situation betroffen, empfehle ich dir zuallererst, professionelle Hilfe für die Betroffene Person zu holen. Es gibt verschiedene Anlaufstellen für die unterschiedlichen Persönlichkeitsstörungen. Falls du eine Erkrankung bei einer Person vermutest, die du kennst und bei deiner Suche Hilfe benötigst, dann kontaktiere mich ungeniert. Es ist allerdings leider auch so, dass sich die Suche nach einer geeigneten Fachperson beispielsweise für die drei oben beschriebenen Persönlichkeitsstörungen sehr schwierig gestalten kann. Viele Betroffene wollen gar nicht therapiert werden, weil ihnen die Einsicht fehlt, dass ein Problem vorliegt. Das rührt oft daher, dass alle Belastungen, die Verantwortung und die Schuld an die Angehörigen übertragen werden und die betroffene Person dadurch genügend entlastet wird, um mit der Situation „klarzukommen“. Selbst wenn eine Therapie begonnen wird, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Behandlung frühzeitig abgebrochen wird oder das Ganze eher ein „Schauspiel“ ist, bei dem keine ernsthafte Innenarbeit stattfindet. Erschwerend hinzu kommt, dass es selbst für geschultes Fachpersonal manchmal schwierig sein kann, hinter die Maske zu blicken, die von Betroffenen aufgesetzt wird, sodass kein krankhaftes Muster erkennbar ist. Da das manipulative Verhalten Betroffener für viele TherapeutInnen ausserdem „zu anstrengend“ ist, sind sie als PatientInnen oft nicht sehr beliebt.

Ein zerstörerisches Verhalten braucht keine Diagnose, um dir zu schaden.

Manipulation bleibt oft unentdeckt, was sie umso gefährlicher macht.

Wissen um manipulatives Verhalten kann uns vor dem Schaden schützen, den es anzurichten vermag.

Wenn dich das Verhalten eines Mitmenschen belastet oder es dir Leid zufügt, dann suche dir unbedingt Hilfe.

Die noch viel wichtigere Frage für dich als Angehörige/r ist allerdings: Was kannst du tun, damit es dir besser geht? Es kann sein, dass dich ständiges Mitleid für die betroffene Person quält und du Angst um sie hast. Vielleicht hast du aber auch Angst vor ihr und ihrem Verhalten. Möglicherweise bist du am Ende deiner Kräfte und kannst nicht mehr. Du weisst nicht, was sich ändern soll und was sich überhaupt ändern kann. Aber du weisst, dass sich etwas ändern muss. Es gibt nicht die eine Lösung für alle Angehörigen, sondern es müssen vor allem die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Person berücksichtigt werden. Manchen ist es am wichtigsten, die Beziehung auf irgendeine Weise aufrechtzuerhalten und sich in ihr möglichst gut zu fühlen, während es für andere wichtiger ist, sich gut zu fühlen, auch wenn das bedeutet, die Beziehung oder sogar den Kontakt ganz abzubrechen.

Kein Mensch hat das Recht, dich schlecht zu behandeln. Seine Situation mag ein ihm auferlegtes Schicksal sein, der Umgang mit ihr und den Mitmenschen ist jedoch seine eigene Entscheidung. Eine psychische Krankheit kann bösartiges Verhalten erklären, sie rechtfertigt es jedoch nicht.


Life Coaching

Da viele Angehörige gelernt haben, ihre eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken und zurückzustellen, fällt es gerade ihnen oftmals schwer, sich zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Sie wissen (noch) nicht, was sie genau wollen, weshalb es umso wichtiger ist, die eigenen Ziele und Wünsche zu erforschen. Wenn du als Angehörige/r herausfinden möchtest, wie es für dich weitergehen soll, was du dir von deinem Leben wünschst und wie du deine Situation zu deiner Zufriedenheit verändern kannst, dann melde dich zu einem kostenlosen Erstgespräch bei mir an. So kannst du mir deine Situation näherbringen und mit mir gemeinsam beginnen, deine Situation Schritt für Schritt zu verbessern. Ich begleite dich ganz persönlich über einen längeren Zeitraum hinweg. Dabei bekommst du in einem geschützten Raum die nötige Zeit und Aufmerksamkeit, um dich mit deinen eigenen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Als ausgebildeter Philosoph und Life Coach kenne ich viele Methoden, wie du dir ein ruhiges, gelassenes und glückliches Leben einrichten kannst. Auch deine Situation lässt sich verbessern. Gemeinsam finden wir jetzt heraus, wie…

Wirst du von einem Mitmenschen belastet und brauchst Unterstützung? Dann melde dich bei mir.

 
 

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2. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (Teil 1/2)