2. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (Teil 1/2)

Was ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung?

„Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist noch immer eine Krankheit, die die Allgemeinheit verwirrt und viele Fachleute in Schrecken versetzt. Erst 2009 hiess es in einem Artikel der Zeitschrift Time, dass ‚Borderline-Persönlichkeiten die von den Psychologen meistgefürchteten Patienten sind‘ und ‚viele Therapeuten keinerlei Vorstellung haben, wie sie behandelt werden können‘. Marsha Linehan, eine führende Expertin in diesem Bereich, erklärte: ‚Borderline-Persönlichkeiten sind das psychologische Äquivalent zu Patienten mit Verbrennungen dritten Grades. Sie haben sozusagen keine emotionale Haut. Selbst die leichteste Berührung oder Bewegung kann enormes Leid auslösen.‘“ (Jerold J. Kreisman, führender Experte auf dem Gebiet der Borderline-Persönlichkeitsstörung)

„Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist einzigartig unter den Persönlichkeitsstörungen, wenn es darum geht, wie instabil der emotionale Zustand einer Person ist. Sie [Betroffene] wechseln zwischen wütend, traurig und fröhlich in derselben Stunde hin und her. Diese Art von emotionaler Instabilität sieht man bei keiner anderen Persönlichkeitsstörung.“ (Dr. Durvasula Ramani, Klinische Psychologin)

Menschen, die von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung betroffen sind, sind in zwischenmenschlichen Beziehungen instabil und überempfindlich. Das hat zur Folge, dass sie nicht oder nur schwer in der Lage sind, enge zwischenmenschliche Beziehungen langfristig aufrechtzuerhalten. Gelingt es ihnen dennoch, dann ist die Beziehung alles andere als gesund und durch eine emotionale Achterbahnfahrt gekennzeichnet, die für alle Beteiligten sehr belastend ist. Die ständigen Stimmungsschwankungen und überempfindlichen Reaktionen belasten einerseits die Betroffenen selbst. Andererseits stellen sie auch eine unheimliche Belastung für die Angehörigen, Partner und Mitmenschen dar. Diese müssen nicht nur die ständigen emotionalen Entladungen der Betroffenen aushalten, die sich häufig gegen sie richten, sondern sich gleichzeitig auch noch intensiv um sie kümmern. Angehörige sind einem Hin und Her zwischen erdrückendem „Klammern“ und ablehnender „Abwertung“ durch Betroffene ausgesetzt. Mal gleichen sie einem allwissenden und allmächtigen Gott, an den Betroffene sich unterwürfig für Hilfe wenden, mal einem wertlosen Diener, der unterworfen, bestraft und herumkommandiert wird. Die Verantwortung und die Schuld für die eigenen Handlungen, Emotionen und Gedanken werden an Aussenstehende abgegeben. Einerseits müssen diese sich um Dinge kümmern, die eigentlich die Aufgabe der Betroffenen wären. Andererseits müssen sie ständig damit rechnen, dass Betroffene sie während der Verrichtung dieser Arbeit angreifen oder noch mehr von ihnen fordern. Die Stimmung der Betroffenen ändert sich oft schlagartig und ohne einen für Aussenstehende nachvollziehbaren Grund. Innerhalb weniger Stunden, Minuten oder Sekunden kann die Stimmung von extremer Fröhlichkeit zu Niedergeschlagenheit wechseln. Ein solcher abrupter Stimmungswechsel kann jederzeit durch eine Aussage, einen Blick oder ein Seufzen von Angehörigen ausgelöst werden, die die Betroffenen auf irgendeine Art triggern. Angehörige lernen deshalb mit der Zeit, einen regelrechten Eiertanz aufzuführen und Betroffene mit Samthandschuhen anzufassen, um die Gefahr eines emotionalen Ausbruchs möglichst gering zu halten. Doch langfristig ist das weder eine Lösung für die Betroffenen noch für die Angehörigen.

Zu Beginn ein wichtiger Hinweis…

Im Anschluss werden dir die 9 Anzeichen für eine Borderline-Persönlichkeitsstörung vorgestellt. Doch zuvor möchte ich dich noch auf etwas Wichtiges hinweisen: Betroffenen wird bei einem Verdacht dringend angeraten, sich in Therapie zu begeben! Angehörige können Betroffenen helfen, einen geeigneten Verhaltenstherapeuten bzw. eine geeignete Verhaltenstherapeutin aufzusuchen. Ist die betroffene Person nicht offen für eine Therapie, können Angehörige sich zudem an Fachstellen wenden. Die Psychiatrischen Dienste bieten in der Regel eine kostenlose Angehörigen-Beratung für Belange dieser Art an. Dort können inhaltliche Fragen zum Krankheitsbild, zur Situation und zu den Behandlungsmöglichkeiten der Betroffenen kompetent beantwortet werden. Am Ende dieses zweiteiligen Artikels findest du entsprechende Kontaktmöglichkeiten in den verschiedenen Regionen der Schweiz. (Vor allem co-abhängige) Angehörige können zudem ihren Teil zu einer Besserung beitragen, indem sie ihre eigene Persönlichkeit stärken, sich von den Betroffenen abgrenzen und allmählich die Verantwortung für deren eigenes Leben an diese zurückgeben. Niemand ist für das Leben einer anderen Person verantwortlich, solange diese zurechnungsfähig ist!

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Die 9 Anzeichen…

Falls du dich mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung noch nicht so gut auskennst, fragst du dich sicher, woran man sie erkennen kann. Es gibt 9 Anzeichen dafür, dass bei einem Menschen eine Borderline-Persönlichkeitsstörung vorliegen könnte. Damit die Störung diagnostiziert werden kann, müssen mindestens 5 der folgenden 9 Kriterien erfüllt sein.


1. Verlustängste:

Verzweifeltes Bemühen, Verlassenwerden zu vermeiden

Verlassen bedeutet verschwinden

„Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung können es nicht ertragen, allein zu sein; sie machen verzweifelte Anstrengungen, einen Beziehungsabbruch zu vermeiden und erzeugen Krisen, wie z. B. suizidale Gesten in einer Weise, die andere dazu bringt, sie zu retten und sich um sie zu kümmern.“ (MSD Manual)



Das hört sich sehr manipulativ an und das ist es auch. Grund für dieses manipulative Verhalten ist ein Selbstschutzmechanismus, der bei Betroffenen eintritt. Beim Gedanken, verlassen zu werden, wird eine Existenz- bzw. Todesangst verspürt, sodass Betroffene sich durch ihren Überlebensinstinkt verzweifelt mit allen Mitteln an jemandem festklammern. Denn bei Betroffenen verhält es sich wie bei einem Kleinkind, das nicht unterscheiden kann, ob die Mutter nur vorübergehend abwesend oder für immer verschwunden ist. Alleinsein fühlt sich wie eine Isolation an, die für immer anhält. Dieses Gefühl ist überlebenswichtig für ein hilfloses Kleinkind, das abhängig davon ist, dass ein Versorger sich um es kümmert, wenn es schreit. Betroffene, die allein sind, verspüren dasselbe Gefühl, von der Versorgungsquelle, die sie am Leben erhält, abgeschnitten zu sein, weil sie diese frühkindliche Phase nie überwunden haben.



„Borderline bedeutet, ein Kind im Körper eines Erwachsenen zu sein, das verzweifelt nach seiner Mutter sucht.“ (Betroffene/r, Anonym)



Manipulation zum Überleben

Liegt bei Betroffenen eine reale oder eingebildete Angst vor, verlassen zu werden, versuchen sie, das Verlassenwerden um jeden Preis zu verhindern. Die Massnahmen, die dabei ergriffen werden, können sehr weit gehen und aus moralischer Sicht für Nichtbetroffene mehr als grenzwertig erscheinen. Menschen, von denen sie Angst haben, verlassen zu werden, können durch verschiedenste Mittel wie Kontrolle oder Vorwürfe manipuliert werden, um bei ihnen zu bleiben. Starke Verlustängste und ein intensives Gefühl von Hilflosigkeit führen bei Betroffenen zum Bedürfnis, dass ihre Mitmenschen die Verantwortung für sie übernehmen und sich ständig um sie kümmern, wie es bei einem Kleinkind der Fall ist. Angehörige und Partner werden eingewickelt, erpresst und auf diese Weise gezwungen, bei ihnen zu bleiben. Das geschieht allerdings unterschwellig, indem ihnen durch Scheinargumente eingeredet wird, sie schuldeten es der betroffenen Person, ständig für sie verfügbar zu sein und die Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Das erreichen Betroffene, indem sie Angehörigen ein schlechtes Gewissen einreden und sie von deren Schuld und deren Verantwortung für ihr Leben überzeugen. Ist die angehörige Person co-abhängig, glaubt sie dies ohnehin selbst schon und wird dadurch in diesem Glauben weiter bestärkt. Betroffene sind sehr feinfühlig, sodass sie sehr genau um diese Schwachpunkte bei Angehörigen wissen. Sie schrecken nicht davor zurück, solche Knöpfe auch tatsächlich zu drücken und ihnen zu schaden, um dem gefürchteten Alleinsein zu entgehen. Auch emotionale Erpressung ist keine Seltenheit, denn häufig wird den Angehörigen von der betroffenen Person vermittelt, dass sie sich etwas antun wird, wenn nicht auf ihre Forderungen eingegangen wird. Aus Sicht der Betroffenen hätten dann die vermeintlich egoistischen anderen sie zu dieser Handlung getrieben, weil sie ihrer Forderung nicht nachgekommen sind, sich also nicht erpressen lassen haben.



„Für die meisten von uns ist das Alleinsein eine erwünschte, seltene Möglichkeit, um über Erinnerungen nachzudenken und über Dinge, die für unser Wohlbefinden wichtig sind – es ist die Chance, mit sich selbst wieder Fühlung aufzunehmen, um wiederzuentdecken, wer wir sind […] Aber zurück zur Boderline-Persönlichkeit, die nur ein ganz schwaches Ichgefühl hat und nur leere Reflexionen sieht. Das alleinsein wiederholt die Panik, die sie als Kind erfahren hat, wenn sie mit der Möglichkeit, von den Eltern verlassen zu werden, konfrontiert wurde […]“ (Jerold J. Kreisman)



2. Instabile zwischenmenschliche Beziehungen:

Wechsel zwischen den Extremen „Idealisierung“ und „Entwertung“

Idealisierung

Das zweite Anzeichen dafür, dass eine Borderline-Persönlichkeitsstörung vorliegen könnte, besteht in einem ambivalenten Verhalten, bei dem der Partner abwechselnd „festgehalten“ und „weggestossen“ wird. Das Problem liegt darin, dass Betroffene einerseits Angst davor haben, allein zu sein und eine Person brauchen, die sich andauernd um sie kümmert. Dieser Forderung kann nur eine „perfekte“ Person nachkommen, die keine eigenen Grenzen hat. Diese idealisierte Person muss immer verfügbar sein, allen ausgesprochenen sowie unausgesprochenen Forderungen sofort nachkommen und stets loyal sein, egal was ihr angetan wird. Die bedingungslose Treue und Loyalität wird von Betroffenen regelmässig getestet. Ein Mensch, der sich auf die unrealistische Rolle der „perfekten“ Person einlässt – sich also auf besagte Weise einspannen und ausnutzen lässt – wird als „co-abhängig“ bezeichnet. Auch dieses Verhalten ist krankhaft und zeugt von einem Defizit in einer anderen Form im selben Bereich. Wo die Borderline-Persönlichkeit scheitert, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, scheitert die co-abhängige Persönlichkeit, die Verantwortung für andere bei diesen zu lassen. Falls du dich als Angehörige/r in dieser Rolle befindest, ist es wichtig, dass du durch ein Coaching, eine Therapie oder auf eine andere Art an diesen Defiziten arbeitest. Ansonsten förderst du mit deinem Verhalten die Krankheit der betroffenen Person, indem du ihr die Verantwortung abnimmst und ihr damit das Erlernen von Selbstständigkeit erschwerst. Erst wenn du Grenzen festlegst und beginnst, auch deine eigenen Bedürfnisse einzufordern, wird die betroffene Person in Erwägung ziehen, sich diesen Grenzen anzupassen, die nur zu ihrem Besten wären. „Hartsein“ ist in diesem Fall eine notwendige und vernünftige Handlung aus Liebe! Dennoch musst du dir bewusst sein, dass die von dir festgelegten Grenzen regelmässig getestet werden. Deshalb benötigst du solide Strategien, um im Moment der Wahrheit nicht einzuknicken. Betroffene verlangen eine Person, die sich bedingungslos um sie kümmert, ständig für sie verfügbar ist und die volle Verantwortung für ihr Leben übernimmt. Sie muss gewissermassen ein allmächtiger und allwissender Gott sein, der ihnen jeden Wunsch von den Lippen abliest und ihnen bei allen Belangen hilft. Durch eine möglichst enge Beziehung zu so einem völlig unrealistischen „Idealmensch“ können Betroffene ihre Verlustängste und ihre Hilflosigkeit beschwichtigen, weil sie sich in dessen Gegenwart umsorgt fühlen. Ihr tief verankertes Gefühl von Hilflosigkeit wird es ihnen kaum ermöglichen, von sich aus von diesem Bedürfnis nach einer Betreuungsperson abzulassen. Sie müssen durch klare Grenzen dazu gedrängt werden.



Entwertung

Neben dieser Idealisierung und dem Bedürfnis nach Nähe existiert ein gleichzeitiger Drang in die entgegengesetzte Richtung. Betroffene haben Angst davor, vom Angehörigen oder Partner „verschlungen“ zu werden. Denn da ihnen eine eigene Identität fehlt, verschmelzen sie regelrecht mit ihm und dessen Identität, sodass sie Angst bekommen, dass ihre eigene Identität ausgelöscht wird, wenn sie zu viel Nähe erfahren. Deshalb wird die Person weggestossen, abgewertet, misshandelt und beschuldigt. Sie wird von einem zuvor idealisierten Gott zum verlogenen Diener herabgesuft und dient als Zielscheibe für die emotionalen Entladungen. Angehörigen werden Schuldgefühle eingeimpft, sodass sie Gewissensbisse bekommen und emotional erpresst werden können. Das dient dem Zweck, sie von sich wegzustossen, um die unerträgliche Nähe, die auf Betroffene ebenso beängstigend wirkt, wie die Einsamkeit, wieder etwas umzukehren. Auf diese Weise wird Distanz aufgebaut, damit die betroffene Person wieder „atmen“ und der Angst, vom Gegenüber „verschlungen“ zu werden, entgehen kann.



Der Konflikt

Es liegt also ein innerer Konflikt vor: Bei zu viel Distanz besteht die Angst, von der lebensnotwendigen Versorgungsquelle abgeschnitten zu sein, während bei zu viel Nähe die Angst besteht, keine eigene Identität mehr zu haben. In beiden Fällen wird die Angst verspürt, nicht mehr zu existieren („Ich bin niemand, also bin ich nicht.“). Diese Begebenheit wird klarer werden, wenn du dich gleich mit dem dritten Anzeichen beschäftigst. Der innere Konflikt durch das Bedürfnis nach Nähe und nach Distanz sorgt dafür, dass Betroffene ständig zwischen einem Klammern bzw. Idealisieren und einem Ablehnen bzw. Entwerten schwanken. Der Partner ist abwechselnd gut oder schlecht – es gibt in diesem Schwarz-Weiss-Denken nichts dazwischen. Das Ergebnis ist eine intensive, emotional instabile Beziehung, die von den beiden gegensätzlichen Gedanken „Ich hasse dich!“ und „Verlass mich nicht!“ aufrechterhalten wird. Angehörige können diese Stimmungsschwankungen im Verlauf des Tags häufig nicht nachvollziehen und wissen nicht warum sie von Betroffenen gerade auf- oder abgewertet werden.


„Der Betroffene schwankt zwischen dem Wunsch nach Nähe, um Leere und Langeweile zu entgehen, und der Angst vor Intimität, die für das Abhandenkommen von Selbstvertrauen und Unabhängigkeit verantwortlich gemacht wird.“ (Jerold J. Kreisman)



3. Identitätsstörung:

andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung

Auch das Selbstbild von Betroffenen ist instabil, was bedeutet, dass sie über keine eindeutige und stabile Identität verfügen. Oft werden sie mit einem Chamäleon verglichen, weil sie sich stets den jeweiligen Umständen anpassen. Je nach Person, die sie umgibt und nach Stimmung, die sie gerade empfinden, können Betroffene eine andere Rolle einnehmen. Die Person, die sie sind, zeichnet sich dadurch aus, wer sie gerade umgibt und was gerade ist. Hat eine betroffene Person beispielsweise einen Partner, wird sie diesen idealisieren, mit ihm verschmelzen und dabei dessen Identität annehmen. Ihr werden Dinge gefallen, von denen sie denkt, dass sie ihm gefallen. Den Angehörigen könnte das insofern auffallen, dass die Betroffene plötzlich Dinge mag, die sie zuvor nie mochte oder sogar stark ablehnte. Auch die Identität des Freundes wird nicht als konstant wahrgenommen. So kann es sein, dass dieser am Morgen „Ich liebe dich“ sagt und die betroffene Person sich von ihm in diesem Moment geliebt fühlt. Doch wenn der Partner sich im Verlauf des Tages nicht mehr meldet oder diese Aussage in einer späteren Textnachricht nicht bald wiederholt, wird die betroffene Person diese Aussage vom Morgen infrage stellen. Die Person, die sie am Morgen war und der Partner, der sie am Morgen geliebt hat, waren nicht dieselben Menschen, die sie am Nachmittag sind. Betroffenen fehlt die Fähigkeit zur „Objektkonstanz“, sodass sie nicht in der Lage sind, ein gewisses Selbstbild oder ein gewisses Bild anderer über einen längeren Zeitraum hinweg aufrechtzuerhalten. Sie brauchen ständig neue Bestätigungen von aussen, um sich zu vergewissern, was wahr ist. Typisch für Betroffene ist auch, dass das gegenwärtige Selbstbild sehr extrem ausfällt, wie z.B. „Ich bin ein Genie“ auf der einen Seite und „Ich bin dumm“ auf der anderen Seite.



„Den Betroffenen fehlt […] ein konstantes Identitätsgefühl. Eigenschaften wie Intelligenz und Attraktivität akzeptieren sie nicht als konstant, sondern als Eigenschaften, die immer wieder neu verdient und im Vergleich mit anderen beurteilt werden müssen. Selbstwertgefühl und Selbstachtung basieren bei der Borderline-Persönlichkeit deshalb nicht auf bereits erbrachten Leistungen, sondern ausschliesslich auf aktuellen (Miss-)Erfolgserlebnissen und der Wertung durch Dritte.“ (Manuela Rösel, psychologische Beraterin für Borderline-Angehörige)



4. Impulsivität:

in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloser Fahrstil, Essattacken etc.)

Die bereits angesprochene Instabilität in Bezug auf die Beziehung und auf die Identität liegt bei Betroffenen auch im Bereich der Emotionen vor. Das Problem ist die fehlende Erfahrung von Konstanz in der eigenen Wahrnehmung. Kreisman schreibt, dass es sich bei der Borderline-Wahrnehmung um „isolierte, unzusammenhängende Schnappschüsse der Erfahrung“ handelt. Es existiert nur die Gegenwart, was bedeutet, dass Betroffene weder auf die Erfahrung der Vergangenheit noch auf die Hoffnung auf die Zukunft zurückgreifen können. Entsteht also in der Gegenwart eine Emotion, wird diese als etwas wahrgenommen, das sich in einem ewigwährenden Vakuum befindet. Es lässt sich in der Wahrnehmung Betroffener nicht vorhersagen, ob die Emotion jemals vorübergeht. Umso intensiver wird die Emotion empfunden und da diese dermassen überwältigend sein kann, drängt sie Betroffene zu selbst- oder fremdschädigenden Handlungen, die für eine emotionale Entladung sorgen. Die Emotionen geben ihnen ausserdem das Gefühl zu existieren, denn durch sie können sie sich selber spüren.


„Sich nicht spüren zu können, verleitet die Betroffenen oft zu Handlungen, die starke Emotionen erzeugen und die Leere betäuben sollen. Riskantes Autofahren, Promiskuität, Spielsucht oder Essstörungen gehören zu einigen dieser Verhaltensweisen. Ebenso neigt die Borderline-Persönlichkeit dazu, Stimmungsschwankungen und Gefühle von Einsamkeit und Trennungsangst durch Alkohol- und Drogenmissbrauch zu betäuben.“ (Manuela Rösel)

Weiter geht es im nächsten Artikel…

Die Anzeichen 5 bis 9 findest du im nächsten Artikel. Am Ende des Artikels werden hilfreiche Literatur- und Videovorschläge sowie Kontaktadressen aufgelistet. Trage dich am besten in die Mailingliste ein, indem du den Newsletter abonnierst, damit du immer über die neu erscheinenden Blog-Artikel informiert wirst. Ich bedanke mich an dieser Stelle schon einmal bei dir für das Lesen dieses Artikels und hoffe, dass er dir bislang gefallen hat. Falls du Fragen dazu hast, melde dich gerne bei mir.

 

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