Lektion 1: Die stoische Weltsicht

Was ist die stoische Weltsicht?

Beginnen wir nun damit, dich nach und nach zu einem Stoiker 👨‍🎓 bzw. einer Stoikerin 👩‍🎓 auszubilden.

In dieser ersten Lektion bringe ich dir die stoische Weltsicht näher. Während du dich mit dem Text beschäftigst und die stoische Sichtweise allmählich verinnerlichst, kannst und solltest du bereits versuchen, sie in deinen Alltag zu integrieren. Denn wenn du die stoische Lebensweise nicht nur studierst, sondern auch lebst, wirst du aus eigener Erfahrung verstehen lernen, wie dich diese immer mehr zu Gelassenheit und innerem Glück führt. Und darum geht es dir ja schliesslich, oder? 😄

Spätestens, nachdem sich erste kleine Erfolge in deinem Alltag einstellen, wirst du nachvollziehen können, was ich meine… 👏🍀

Was ist die stoische Weltsicht? Die sogenannte „Stoa“ war eine philosophische Denkschule im antiken Griechenland und Römischen Reich. Ihre Anhänger – die „Stoiker“ – gingen davon aus, dass die Welt von einer „Vernunft“ (griech. logos) bestimmt wird.

Das hört sich jetzt erst einmal etwas abstrakt an, aber im Grunde geht es einfach darum, dass alles, was geschieht, nach einem vernünftigen und sinnvollen Plan abläuft.

Diese Überzeugung ist essentiell für eine stoische Haltung, denn nur so kannst du auch wirklich an die Sinnhaftigkeit glauben, die du den Dingen zuschreibst. Und genau darum geht es bei der stoischen Weltsicht: zu lernen, den Dingen einen Sinn zu geben🤓💡

⚠️ Deshalb gleich zu Beginn eine wichtige Anmerkung: Wenn du daran glaubst, dass gewisse Dinge sinnlos sind und diese Ansicht auch nicht ändern möchtest, dann ist die stoische Weltsicht womöglich nicht dein Zugang zu deinem gelassenen Zustand. Das bedeutet zwar nicht, dass du keine Möglichkeit hast, eine langfristige gelassene Haltung einzunehmen. Aber es bedeutet, dass die stoische Philosophie im Moment möglicherweise nichts für dich ist.

Falls du aber dennoch interessiert an dieser Philosophie bist, lade ich dich herzlich dazu ein, dennoch weiterzulesen. Vielleicht änderst du deine Meinung ja im Verlauf des Lesens noch… 🤷‍♂️😄 Es kann ja auch sein, dass deine Ansicht nur gewisse Lebensbereiche betrifft und du in anderen Bereichen durchaus offen bist, stoisch zu leben.

Mir persönlich hat der folgende Gedankengang geholfen: Ich weiß weder, ob etwas gut ist noch, ob es schlecht ist. Es steht quasi 50/50 und es liegt an mir, zu wählen. Deshalb frage ich mich: Was macht für mich mehr Sinn? Ich möchte glücklich sein und mich gut fühlen. Also entscheide ich mich dafür, daran zu glauben, dass allen Dingen etwas Gutes zugrunde liegt. Denn das verleiht mir die nötige Zuversicht, um eine entspannte Haltung einzunehmen.

Und das ist die Grundlage der stoischen Weltsicht: Stark vereinfacht lässt sich also sagen, dass es eine Vernunft gibt, die dafür sorgt, dass alles in unserer Welt logisch und sinnvoll geordnet ist.

Als Konsequenz läuft das gesamte Weltgeschehen nach einem vernünftigen Plan ab und jedes Ding hat seinen Zweck. 📈

Der Mensch bildet dabei keine Ausnahme. Sein Zweck ist es, vernünftig – also im Einklang mit dem Weltgeschehen – zu leben, da ihm von der Natur die Vernunft mitgegeben wurde. Mit seiner Fähigkeit zum vernünftigen Denken ist er in der Lage, logische Schlüsse zu ziehen und den Sinn des Weltgeschehens nachzuvollziehen. Er muss sich nur dazu entschliessen…

Über diese natürliche Vernunft, die in jedem Menschen schlummert, bist also auch du mit der Welt verbunden und kannst in ihren Geschehnissen einen Sinn erkennen, um sie zu akzeptieren und gelassen anzunehmen.

Infolgedessen solltest du bestrebt sein, ein Leben zu führen, das im Einklang mit dem Plan der Vernunft der Welt ist. Denkst und fühlst du vernünftig und hast eine positive Einstellung allen Geschehnissen gegenüber, lebst du in Harmonie mit der Welt, wünschst sie dir nicht anders als sie ist und bist glücklich. 😊🙏🍀

Entfernst du dich hingegen von der Vernunft, stehst du deinem eigenen Glück im Weg, weil deine Wünsche nicht mit dem Weltgeschehen übereinstimmen und du dich unnötig über das Unvermeidbare aufregst. 😩😡

Aus stoischer Sicht hat die Welt recht, wenn sie etwas geschehen lässt, weil sie ausnahmslos vernünftig handelt.

Lass dir das auf der Zunge zergehen: alles, was passiert, ist richtig und berechtigt. ✅

Wir mögen vieles nicht verstehen – vor allem Dinge, die unmoralisch, dramatisch und schmerzhaft sind. Doch aus stoischer Sicht hängt das damit zusammen, dass die menschliche Vernunft zu einem gewissen Grad beschränkt ist. 🚧

Deshalb geht es darum, dass du lernst, möglichst viel davon nachzuvollziehen, was die Welt geschehen lässt. So erkennst du allmählich den Sinn dahinter und kannst die Geschehnisse gelassen annehmen und akzeptieren. Verstehst du eine Situation (noch) nicht, dann musst du versuchen, zumindest in ihre Sinnhaftigkeit zu vertrauen. 😌🙏🤍

Je besser du die Welt und ihre Geschehnisse verstehen lernst, umso überzeugter kannst du nach ihrem vernünftigen Plan leben, anstatt dich über seine vermeintliche Schlechtheit zu wundern.

Du lernst, den Sinn unveränderlicher Dinge zu erkennen und sie zu akzeptieren. Denn da die Weltvernunft es ist, die sie geschehen lässt, müssen sie vernünftig und damit auch gut sein.

Beurteilst du etwas als schlecht und regst dich darüber auf, rührt das daher, dass du seinen Zweck nicht verstehst, der aber dennoch existiert.

Anstatt das vernünftige Weltgeschehen anzuzweifeln und zu kritisieren, solltest du aus stoischer Sicht daher dein beschränktes Verständnis von ihr infrage stellen. 🤔

Menschen, die diese Einsicht gewonnen haben, können sich angewöhnen, allen Dingen mit Gelassenheit zu begegnen. Auf diese Weise treten sie in einen Zustand ein, den die Stoiker als wahres und höchstes Glück betrachteten.

„Verlange nicht, dass die Dinge verlaufen, wie du es wünschst,

sondern wünsche sie so, wie sie verlaufen; dann wirst du glücklich sein.“ (Epiktet, Stoiker)


Ein stoisches Leben führen

In der Stoa geht es nicht nur darum, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie man gut und glücklich lebt. Natürlich ist es wichtig, dass man weiss, worin ein gutes und glückliches Leben besteht und wie man es erreicht.

In erster Linie geht es aber darum, sich in der Praxis zu bemühen, gut und glücklich zu leben.

Dass die Praxis den schwierigsten Teil der stoischen Philosophie darstellt, wird deutlich, wenn du bedenkst, wie schwer es dir manchmal fallen kann, dich vernünftig zu verhalten, obwohl du theoretisch weisst, wie du dich verhalten solltest. 😅

Natürlich ist es aber auch wichtig, zu erklären, wie ein gutes und glückliches Leben in der Theorie überhaupt auszusehen hat. Denn gerade weil die Praxis so schwierig ist, muss man sich besonders intensiv mit den Gründen dahinter beschäftigen. Durch sie wird dein Verständnis dafür geschärft, wie ein gutes und glückliches Leben überhaupt aussieht und wie du es am besten in die Tat umsetzt.

Nur wenn du weißt, was vernünftig ist, kannst du auch bewusst vernünftig handeln…

… und wie du nun weißt, handelt aus stoischer Sicht derjenige vernünftig, der der Welt gegenüber eine Haltung einnimmt, mit der er in jeder Situation möglichst gelassen und glücklich lebt.

Um glücklich leben zu können, musst du nach Auffassung der Stoiker Werturteile aufgeben, da alle äusseren Dinge in Wirklichkeit neutral sind und du selbst es bist, der ihnen Werte wie „gut“ und „schlecht“ zuschreibt. 🙅‍♂️🙅

Gute und schlechte Dinge existieren nicht wirklich, auch wenn wir sie so empfinden und sie gedanklich in diese beiden Kategorien einteilen.

„Unsere Seele ist fähig, auf glücklichste Weise das Leben zu verbringen,

wenn sie sich den gleichgültigen Dingen gegenüber auch gleichgültig verhält.

Und das wird sie tun, wenn sie jedes dieser Dinge in seinen Teilen, wie auch im Ganzen betrachtet und sich daran erinnert,

dass keines von ihnen uns ein Urteil aufzwingt oder auf uns zukommt, sondern unbeweglich bleibt.

Wir sind es vielmehr, welche die Urteile fällen und sie uns gleichsam fest einprägen.

Dabei steht es uns doch frei, auf diese Urteilsbildung zu verzichten,

oder auch, wenn sich etwas dergleichen schon bei uns eingeprägt hat, es zu löschen.“ (Marcus Aurelius, Stoiker)


„Therapie“ und „Heilung“ durch die Stoa

Was hast du von der stoischen Weltsicht?

Nun, sie hat einen therapeutischen Effekt. Du hast richtig gelesen: einen therapeutischen Effekt❣️

Tatsächlich ist die sogenannte „Kognitive Verhaltenstherapie“ in der Psychotherapie aus der stoischen Philosophie heraus entstanden und ihr gar nicht so unähnlich. Vernünftiges Denken führt langfristig zu einem emotionalen Gleichgewicht und so auch zu mehr innerer Stabilität und psychischer Gesundheit. ⚖️💓

Aber Achtung: Die Stoa ist kein Ersatz für eine Therapie!

Der therapeutische Effekt der stoischen Weltsicht tritt mit der tiefen Einsicht ein, dass Werturteile über die Aussenwelt unvernünftig sind. Du entwickelst Gleichmut gegenüber Dingen, über die du keine Kontrolle hast und wirst dadurch gelassener. 🤷‍♂️😇✌️

Das oberste Ziel besteht darin, auf diese Weise eine konstante innere Ruhe – die sogenannte „Seelenruhe“ (griech. ataraxia) – zu erreichen.

Deine „Seele“ therapiert sich durch Denken gewissermassen selbst, indem sie sich ständig vergegenwärtigt, dass alle äusseren Dinge „richtig“ sind, da sie vernünftig und damit sinnvoll sind.

Durch diese Überzeugung wirst du innerlich ruhig, weil keine negativen Emotionen mehr aufkommen. Du beginnst, dein Glück in deinem Innern zu formen, wo du es beeinflussen kannst. Du passt deine Urteile über die Geschehnisse so an, dass du sie als gut akzeptieren kannst. 👌😊

„Nicht die Dinge selbst, sondern die Vorstellungen von den Dingen beunruhigen die Menschen.“ (Epiktet, Stoiker)




Glück ist eine Einstellung

Als Stoiker bzw. Stoikerin kannst du die Dinge unbewertet lassen und akzeptieren, weil du an eine logische und sinnvolle Struktur der Welt glaubst.

Wenn die Welt eine Struktur aufweist, muss diese auch erschlossen werden können. Und wenn du sie erst einmal erschlossen hast, weißt du, welche Dinge du auf welche Weise verändern kannst und sollst, um in einem gelassenen Zustand zu bleiben. 💡😌🤗

Was es dann noch zu bewältigen gilt, sind Ereignisse, die du weder verstehen noch beeinflussen kannst. 🙅‍♂️🙅‍♀️

Viele Geschehnisse in der Aussenwelt passieren ohne deinen Einfluss und werden dir von der Welt auferlegt. Oder sie sind bereits geschehen und können im Nachhinein nicht mehr geändert werden. Du verfügst über keinerlei Handlungsspielraum, um Veränderungen vorzunehmen. Deshalb musst du sie einfach hinnehmen und mit ihnen klarkommen. 🤷‍♂️🤷‍♀️

Das kannst du tun, indem du diesen Sachverhalt einsiehst und nur das versuchst zu verändern, was in deiner Macht steht: deine Einstellung.

Unveränderbaren Ereignissen gegenüber kannst du eine bestimmte Haltung einnehmen – also auch eine solche, die dich nicht beunruhigt. 🙂👍

Du therapierst dich selbst, indem du deine Einstellung zu den Umständen so veränderst, dass diese deine „Seelenruhe“ nicht stören.

Denn da deine Vernunft sich stets nach den Gegebenheiten ausrichten kann, existiert etwas in dir, das sich jederzeit selbst verändern und seinen Frieden mit der jeweiligen Situation machen kann.

Je besser du die Vernunft der Welt verstehen lernst, umso besser kannst du sie akzeptieren, dich neu ausrichten und umso ruhiger wird deine eigene „Seele“.

„Lehre mich, meine Gesinnung so zu entwickeln,

dass ich mich in alles, was immer erfolgen mag, hineinschicken kann.“ (Epiktet, Stoiker)



In der nächsten Lektion erwartet dich eine kurze Anleitung, wie du eine stoische Überzeugung in dir aufbauen kannst!


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