Lektion 4: Ein stoisches Leben

Vernünftig leben… einfach weitermachen… alles nehmen, wie es gerade kommt… ohne Bedauern und ohne Groll… zielstrebig… engagiert… bescheiden… vollkommen entspannt. 🤗😌👍 – das ist…

Forrest Gump!

Falls du den Film „Forrest Gump“ noch nicht kennst, kann ich ihn dir für deinen Weg zum Stoiker wärmstens empfehlen.

Obwohl es auf den ersten Blick unsinnig erscheinen mag, stellt das Leben des von Tom Hanks gespielten geistig benachteiligten Jungen „Forrest Gump“ ein Paradebeispiel für ein stoisches Leben dar.

Es geht in dieser Lektion allerdings nicht darum, zu untersuchen, ob er nun Stoiker ist oder nicht. Vielmehr möchte ich dir anhand Forrests Leben aufzeigen, was es bedeutet, eine stoische Haltung mehr oder weniger konsequent über das Leben hinweg aufrechtzuerhalten… 😌🙏


Schlechte Karten

„Forrest Gump“ ist ein kleiner Junge, der auf dem Land in Alabama (USA) aufwächst.

Er scheint schlechte Karten im Leben zu haben. Vor seiner Einschulung erklärt Forrests Arzt ihm und seiner Mutter, dass er ein Rückgrat wie ein Politiker habe. Deswegen muss er Spezialschuhe mit an den Beinen entlangführenden Eisenschienen tragen, die es ihm nicht erlauben, seine Knie zu beugen und normal zu gehen. 🚶

Im Einschulungsgespräch wird seiner Mutter außerdem mitgeteilt, dass Forests IQ knapp unter der Mindestanforderung liegt, um eine normale Schule besuchen zu dürfen. 🧠👎

Was meint Forrest zu seinem eigenen Schicksal?

Zu erwarten wäre, dass er traurig, wütend oder enttäuscht darüber ist. Doch stattedessen bezeichnet er seine Schuhe einfach als „Zauberschuhe“ und schreibt ihnen auf diese Weise einen Sinn zu. 🎩🪄😄

Obschon wir nicht wissen, was tatsächlich in ihm vorgeht, scheint er gar nicht weiter darüber nachzudenken und das Beste aus seiner Situation zu machen. 🤷‍♂️👍

Was seinen IQ und seine Einschulung betrifft, versucht seine Mutter ihm klarzumachen, dass er nicht dumm sei und sich das von niemandem einreden lassen solle. 👩☝️

Anstatt ihre Aussage zu hinterfragen, drückt er seine Dankbarkeit dafür aus, dass seine Mutter ihm alles auf eine für ihn verständliche Weise erklären kann. 💡😊🤝

Forrest schreibt zwar der Situation selbst nicht aktiv einen Sinn zu, indem er sich beispielsweise denkt, dass sie schon für irgendetwas gut sein wird. Aber er zweifelt ihren Sinn umgekehrt auch nicht an und macht das Beste aus seinem unveränderlichen Schicksal, statt in einen Trott zu fallen.

„Meine Mama hat immer gesagt, das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiss nie, was man kriegt.“ (Forrest Gump)


Mobbing als „Segen“

Nachdem Forrests Mutter das mit der Einschulung doch noch regeln konnte, lässt ihn am ersten Schultag niemand im Schulbus neben sich sitzen. 🚌🙅 🙅‍♂️

Doch schließlich sagt ihm ein Mädchen namens Jenny, dass er sich neben sie hinsetzen könne, wenn er möchte. 🙋

Sie werden beste Freunde und ihre Freundschaft wird ihr ganzes Leben anhalten. 👫🤍

Forrest könnte sich im Schulbus über die Ablehnung seiner Mitschüler aufregen und sich schlecht fühlen, weil die Welt ungerecht ist und er ausgegrenzt wird. 😔

Aber auch hier scheint er sich gar nichts dabei zu denken. 🤷‍♂️

In der Tat könnte seine kurzzeitige Ausgrenzung im Nachhinein sogar als Segen betrachtet werden, wenn man den weiteren Verlauf der Geschichte kennt und berücksichtigt. Hätten die anderen Schüler ihn neben sich sitzen lassen, hätte sich diese wunderbare lebenslange Freundschaft mit Jenny vielleicht nie ergeben. 👫🤍🍀

Doch dieser hinter dem Mobbing steckende Sinn kann erst im Nachhinein erkannt werden. Bis dahin haben die Zuschauer Mitleid mit Forrest 😢, Wut auf seine Mitschüler 😡 und fragen sich klagend, weshalb das so einem unschuldigen Kind widerfahren muss. 😩

Es kommt wohl selten vor, dass ein Zuschauer emotional gelassen bleibt und einfach darin vertraut, dass schon alles seine Richtigkeit hat, selbst wenn die Geschichte nicht „gut“ ausgehen und sich alles zum „Guten“ wenden würde. 🤷‍♂️👍

Was sich Forrest selber dabei denkt und was er fühlt, ist nicht immer klar. Deshalb ist es schwierig, festzustellen, ob er wirklich stoisch handelt oder aufgrund seiner mentalen Einschränkungen einfach nur nicht in der Lage ist, allgemein über eine Bedeutung von Situationen nachzudenken.

Die anschließende Freundschaft mit Jenny, die sich aus dem Mobbing im Schulbus ergibt, zeigt sehr deutlich auf, wie die Weltvernunft durchaus einen Plan haben kann, den wir gegenwärtig nicht verstehen und der dennoch „gut“ für uns ist. 🌎✅

Wir müssen nur vertrauen, dass es einen Sinn hinter den Geschehnissen gibt und so lange Geduld haben, bis er sich zeigt. 😇🙏 Dadurch vermeiden wir inneres Leid und lassen uns von der Situation gedanklich und emotional nicht negativ beeinflussen.

Der „Sinn“ dieses Mobbings enthüllt sich im Laufe der Geschichte sogar noch weiter (das soll keinesfalls eine Einladung sein, andere zu mobben, sondern Mobbern nicht die Macht über die eigene Innenwelt zu geben und sich aufzuregen).

Forrest wird nach der Schule von seinen Mitschülern mit ihren Fahrrädern gejagt. 🏃🚴‍♀️ 🚴

Kurz davor ist er von einem von ihnen mit einem Stein beworfen und am Kopf getroffen worden 🪨😵, woraufhin Jenny ihm zugerufen hat, er solle davonlaufen. 👧🗣

Während seiner Flucht passiert ein Wunder: Die Eisenschienen an Forrests „Zauberschuhen“ fallen ab und er entkommt seinen Verfolgern. 🏃🍀

Was für ein Segen dieser Moment für ihn werden sollte, zeigt sich, als er einige Jahre später nach der Schule von seinen Mitschülern mit dem Auto gejagt wird und erneut davon rennt. 🏃🚗

Er entkommt ihnen nicht nur, sondern er rennt während seiner Flucht über ein Footballfeld, auf dem gerade gespielt wird. 🏈

Der Coach ist fasziniert von Forrests Tempo und nimmt ihn in sein Team auf. Als herausragender Footballspieler erhält er schließlich später trotz seiner geistigen Einschränkung ein Stipendium an der Universität von Alabama. 📜🎓✅

Hätte Forrest seine „Zauberschuhe“ nicht gehabt, wäre er als Kind vielleicht nicht von seinen Mitschülern ausgegrenzt und gemobbt worden. 👞👞

Er hätte sich folglich vermutlich auch nicht mit Jenny angefreundet und wäre ohne ihr Kommando „Lauf, Forrest, lauf!“ nicht von seinen Peinigern davongerannt.

Wäre er nicht von ihnen mit den Fahrrädern verfolgt worden, hätten sich seine „Zauberschuhe“ nie aufgelöst und er hätte nie so schnell rennen gelernt. 🏃💨

Wäre er später nicht mit dem Auto verfolgt worden, wäre er nie so schnell über das Footballfeld gerannt und vom Coach entdeckt worden. 🏈

Die Tatsache, dass er gemobbt wurde, in Kombination damit, dass er das Beste aus dem gegenwärtigen Moment machte, anstatt aufzugeben, brachte ihm ein Stipendium ein. 📜🎓

Natürlich ließe sich hier einwenden, dass Forrest nicht auf seine Vernunft gehört, sondern einfach ohne darüber nachzudenken das Kommando von Jenny ausgeführt hat. 👩‍🗣🤷‍♂️🏃

Doch der Impuls, auf sie zu hören, kam von ihm selbst und von diesem hat er sich leiten lassen.

Ob ihn vernünftiges Denken dazu gebracht hat, auf diesen Impuls zu hören, wissen wir nicht. Er handelte auch nicht des Stipendiums wegen so, denn er konnte damals noch gar nicht wissen, dass ein solches dabei für ihn herausspringen würde.

Er machte einfach im Moment das Beste aus dem, was ihm zur Verfügung stand und überließ den Rest den „Wundern“ des Schicksals.

Selbst wenn er also nicht stoisch dachte, handelte er zumindest wie ein Stoiker.

„Also meine Mutter hat immer gesagt, Wunder passieren an jedem Tag. Es gibt Leute, die glauben nicht daran, aber es ist so.“ (Forrest Gump)

Der Sinn von Leben und Tod

Bei seiner Abschlussfeier wird Forrest von einem Mitglied der US-Army angesprochen und gefragt, ob er schon über seine Zukunft nachgedacht habe, worauf er ihm ein Flugblatt der Armee in die Hand drückt. 🪖

Forrest meldet sich daraufhin freiwillig und zieht mit seiner Truppe in Vietnam in den Krieg. 🪖💣

Er freundet sich mit „Bubba“ an, der ebenfalls in seiner Truppe ist und die beiden werden beste Freunde.

Im Krieg versucht Forrest, den schwerverletzten Bubba aus der Kriegszone zu retten, findet ihn zunächst jedoch nicht. Während seiner Suche findet er stattdessen viele andere Truppenmitglieder schwer verletzt vor, die ihn verzweifelt bitten, sie zu retten. 😫🙏

Auch seinen Lieutenant „Dan Taylor“ findet und rettet er, der sich allerdings im Gegensatz zu allen anderen wie wild dagegen wehrt, gerettet zu werden und lieber als Held im Krieg sterben will. ✋🚫

Bubba findet er schließlich mit schweren Verletzungen vor, denen dieser kurz daraufhin erliegt. ⚰️💔

Im Krankenhaus finden wir später einen mürrischen Lieutenant Dan vor, der beide Beine verloren hat. 🙎‍♂️🤬

Er steckt in einer tiefen Depression, weil er überzeugt ist, dass es sein Schicksal gewesen wäre, als Lieutenant Dan Taylor wie ein Held im Krieg zu sterben und Forrest ihn um seine Bestimmung gebracht hat. 😭

Forrest hingegen lebt weiterhin im Moment und führt sein Leben einfach weiter, das er nun einmal nicht ändern kann. 🤷‍♂️

Einer seiner Kameraden bietet ihm an, es einmal mit Tischtennis zu versuchen. 🏓 Forrest beginnt zu spielen und wird mit der Zeit nicht nur richtig gut, sondern später sogar Pingpongweltmeister. 🏓🥇🏆

Bei Lieutenant Dan ist deutlich erkennbar, wie gravierend sich eine unstoische Haltung negativ auf die innere Verfassung auswirken kann. 🥴

Er lässt sich von Wut, Trauer und ähnlichen Emotionen herunterziehen, weil er nicht akzeptieren kann, dass das Schicksal der Weltvernunft einen anderen Plan für ihn hat, als er selbst.

Er ist so besessen von seiner Vision, sein Leben lang Soldat zu sein und als Kriegsheld zu sterben, dass ihn jede unvorhergesehene Wendung im Leben, die davon abweicht, vollkommen aus der Bahn wirft. 😣

Er ist einer „Täuschung“ aufgesessen und wird nun durch eine „Ent-täuschung“ vom Schicksal eines Besseren belehrt.

Forrest auf der anderen Seite trauert zwar kurz um seinen Freund Bubba, kümmert sich danach aber sofort um das Versprechen, das er ihm gegeben hat und steigt ins Shrimp-Geschäft ein, was sie eigentlich zusammen tun wollten. 🦐

„Mama hat immer gesagt, man muss die Vergangenheit hinter sich lassen, bevor man weitermacht.“ (Forrest Gump)

Ein „gutes“ Leben

Als Forrest Lieutenant Dan nach einiger Zeit wiedertrifft, meint dieser ironisch zu Forrest, dass er sein erster Mitarbeiter werde, wenn Forrest tatsächlich jemals ein Shrimp-Boot-Kapitän werde. 🤨🤦‍♂️

Eines Tages schickt Forrest ihm einen Brief, in dem steht, dass er sich nun ein Shrimp-Boot gekauft habe, woraufhin Dan zu ihm reist und sich ihm anschließt. ⛵️

Zunächst bleiben die Erfolge aus und Forrest beginnt auf Dans Vorschlag hin, in der Kirche dafür zu beten, dass sie endlich mehr Shrimps fangen. ⛪✝️🙏

Gott scheint sich Forrests Auffassung nach daraufhin in Form eines Unwetters zu zeigen, das dafür sorgt, dass alle anderen Shrimp-Boote zerstört werden und nur Forrests Boot unversehrt bleibt. 🌬🌊⛵️

Er und Dan werden durch ihr plötzlich blühendes Geschäft reich und Dan bedankt sich indirekt doch noch bei Forrest, dass er ihm damals in Vietnam das Leben gerettet hat. 💸🙂🙏

Als Dan ihm daraufhin erklärt, dass er ihr Geld in Aktien investiert habe und sie sich von nun an um Geld keine Sorgen mehr machen müssten, meint Forrest nur gelassen: „Gut […] eine Sorge weniger“. 🤷‍♂️👍

Forrest scheint sich weder um Reichtum zu kümmern, noch lässt er sich anmerken, dass ihm sein anfänglicher Misserfolg groß etwas ausmacht.

Zwar betet er für seinen Erfolg und schätzt ihn, als er danach eintritt. Aber seine Stimmung scheint sich nicht zu verändern, wenn der Plan der Weltvernunft dem seinigen entspricht oder widerspricht. 😐

Dass Forrest einen Plan hat, steht fest, denn er möchte sein Versprechen bei Bubba einlösen und ein erfolgreicher Geschäftsmann im Shrimp-Business werden.

Sein „Ego“ zeigt sich jedoch während der ganzen Zeit nicht. Er vertraut darin, dass alles seinen Grund hat und jederzeit ein Wunder geschehen könnte. Und da Wunder an jedem Tag geschehen, wie er seine Mutter zitiert, scheint es ihn auch nicht zu erstaunen, wenn ihm eines widerfährt. 🎩🪄

Dan auf der anderen Seite erkennt durch den Erfolg auf einmal, dass das Schicksal ihm vielleicht doch nicht so ungnädig war, wie er vorerst gedacht hat, als er von Forrest widerwillig gerettet wurde. 🙃

Plötzlich sieht er wieder einen Sinn in seinem Leben und fasst neuen Mut. 😁

Im Gegensatz zu Forrest braucht er eine Bestätigung dafür, dass sein Leben einen Sinn hat, indem ihm etwas Äußeres widerfährt, das er als „gut“ bewertet. 🤔👍

Denn für ihn gibt es gute und schlechte Ereignisse, während es für Forrest ein Schicksal gibt, das schon seinen Sinn haben wird und immer gut ist, auch wenn wir das vielleicht nicht erkennen können. 🤷‍♂️🌏✅

Natürlich weint auch er in gewissen Momenten, wird wütend und prügelt sogar auf Leute ein. Aber diese Momente sind stets von kurzer Dauer, während er sich nach dem Abklingen dieser kurzen, schwachen Momente immer wieder auf das Schicksal einstimmt. 😙🎶

Er kehrt zur Vernunft zurück und tritt in einen emotional stabilen Zustand der Seelenruhe ein, statt wie Dan in eine Depression zu fallen und das Schicksal zu verdammen.

Impulse

Als Forrests Mutter an Krebs erkrankt und Forrest darüber informiert wird, springt er sofort vom Boot aus ins Wasser und eilt direkt zu ihr. 🏃🏊⛵️

Während des anschließenden Gesprächs mit ihr wird deutlich, dass er den Schicksalsgedanken von ihr übernommen hat. Sie sagt ihm, dass es ihr Schicksal war, seine Mutter zu sein. 👩‍👦

Als er sie daraufhin fragt, was sein Schicksal sei, erwidert sie, dass er das selbst herausfinden müsse.

Nachdem sie stirbt, taucht plötzlich Jenny unerwartet vor Forrests Tür auf und wohnt einige Zeit bei ihm. Ihr ist es nicht so gut ergangen, denn ihr bisheriges Erwachsenenleben war geprägt von Drogenexzessen, Misshandlung durch impulsive Männer und einem Selbstmordversuch. 🚬🙍🥊🙎‍♂️

So urplötzlich, wie sie bei Forrest angekommen ist, verlässt sie ihn dann auch wieder, ohne ihm ein Wort zu sagen. Dabei hatten sie nicht nur eine wundervolle gemeinsame Zeit, sondern drückten ihre Liebe zueinander sowohl verbal als auch körperlich aus und Forrest hielt sogar um ihre Hand an. 💍 Allerdings vergeblich…

Danach beschließt Forrest eines Tages, einfach zu loslaufen. 🏃

Er läuft allerdings nicht nur für einige Minuten oder Stunden, sondern für 3 Jahre am Stück – mit den notwendigen Pausen, versteht sich.

Sein innerer Impuls, einfach zu laufen, inspiriert das ganze Land. Plötzlich laufen Menschen mit ihm mit, die ihn als eine Art Guru ansehen und verschiedenste Reporter fragen ihn, wieso er läuft. 👩‍💼🎤 Sie fragen ihn, ob er für den Weltfrieden, die Obdachlosen, die Rechte der Frauen oder die Umwelt läuft. Doch seine Antwort fällt unerwartet simpel aus:

„Ich hatte einfach Lust zu laufen.“ (Forrest Gump)


Forrest ist zwar ein gelassener, aber auch ein impulsiver Mensch. Er läuft, rettet (und verprügelt) Menschen, springt ins Wasser, führt Befehle aus, beginnt und beendet verschiedene Hobbys und berufliche Tätigkeiten – und das alles in Sekundenschnelle aus dem Moment heraus ohne besonderen Grund.

Zu betonen ist dabei, dass er nicht nur auf äußere Impulse hört, wie auf den Aufruf von Jenny, dass er vor seinen Mobbern davonlaufen soll. Er hört auch sehr stark auf seine eigenen inneren Impulse. 🤍👂

Jedes Mal, wenn er sich dazu entscheidet, etwas einfach zu tun, weil es sich richtig anfühlt, weiß er zwar nicht, wieso er es tut und gerät manchmal in unangenehme Situationen. Aber am Ende erreicht er immer etwas damit.

„Sie konnten nicht fassen, dass jemand läuft und läuft, ohne irgendeinen besonderen Grund.“ (Forrest Gump)

Es lässt sich darüber streiten, ob dieser Impuls eine Art „Stimme der Vernunft“ darstellt, die ihm eine Anweisung aus einem inneren Ort gibt, an dem eine höhere Logik herrscht.

Meine These besteht aber darin, dass er sich im Zustand der Seelenruhe befindet und einer höheren Logik folgt, der er vertraut, auch wenn er sie nicht versteht. 😌🤞

Diese höhere Logik treibt ihn an und gibt ihm Impulse ein. Er begreift sie nicht, aber sie fühlen sich richtig an und führen ihn auf eine Art und Weise durchs Leben, die es ihm erlaubt, seine Seelenruhe aufrechtzuerhalten. 🧘‍♂️🤍

Durch seine Handlungen, die aus dieser ruhigen Grundstimmung heraus entspringen, inspiriert er unzählige Leute und verzeichnet Erfolge, von denen andere nur träumen können.

Für Forrest spielt es keine Rolle, ob Erfolge eintreten, denn ihm geht es stets um den Moment und die Tätigkeit, die er jeweils gerade ausführen will.

Manchmal sagt ihm sein Impuls, dass er auf andere höhren soll und manchmal, dass er auf sich selbst hören soll. In beiden Fällen wirkt er zielstrebig und wenig kompromissbereit.

Jenny sieht Forrest beim Laufen im Fernsehen und schreibt ihm daraufhin einen Brief mit ihrer gegenwärtigen Adresse, zu der sie ihn einlädt. ✉️ 📬

Unterdessen hat Forrest urplötzlich einen neuen Impuls, bleibt stehen und dreht sich um, bevor er zu seinen Mitläufern sagt:

„Ich bin müde, sehr sogar – ich glaube, ich gehe nach Hause.“ (Forrest Gump)

Stoische Weisheit

Forrest liest Jennys Brief und besucht sie an der angegebenen Adresse.

Nachdem sie eine Weile miteinander gesprochen haben, wird Jennys 3-jähriger Sohn von seiner Tagesmutter nach Hause gebracht. 👦

Forrest freut sich darüber, dass Jenny jetzt offensichtlich eine Mama ist. 👩‍👦

Sie sagt ihm, dass er Forrest heißt, wie sein Papa. Forrest erwidert: „Sein Vater heißt auch Forrest?“ Jenny antwortet: „Du bist sein Papa, Forrest.“

Sichtlich überwältigt von dieser Situation steht ihm der Schock ins Gesicht geschrieben. 😧

Jenny muss ihn aus seinem emotionalen Zustand herausholen, woraufhin er sich wieder fängt.

Als sie ihm später erzählt, dass sie an einer seltenen und unbekannten Krankheit leidet, schlägt Forrest vor, dass sie mit ihrem Sohn zu ihm zieht, wo er sich um sie kümmern kann. Das tun sie und Jenny heiratet ihn daraufhin doch noch. 💍👰🤵

Der nun überaus zufrieden und glücklich wirkende Lieutenant Dan erscheint ebenfalls zur Hochzeit und hat nicht nur seine Verlobte dabei, sondern auch künstliche Beine aus Metall, die es ihm erlauben, mit einer Krücke zu gehen, statt weiterhin im Rollstuhl sitzen zu müssen.

Als Jenny schließlich an ihrer Krankheit stirbt, spricht Forrest an ihrem Grab mit ihr und äußert die folgenden Worte:

„Jenny, ich weiß nicht, ob Mama Recht hatte oder ob Lieutenant Dan Recht hatte. Ich weiß nicht, ob jeder von uns sein Schicksal hat oder nur zufällig dahin treibt wie ein Blatt im Wind. Aber ich denke, es stimmt vielleicht beides. Vielleicht passiert ja beides zur selben Zeit.“

Die Aussage zeugt von einem tiefgründigen Denken eines reflektierten Menschen, der sich mit dem Konzept eines Schicksals auseinandersetzt. 🧠😌

Zwar ist Forrest das Konzept des Schicksals nicht selbst eingefallen, sondern von seiner Mutter an ihn herangetragen worden. Aber die Tatsache, dass er sich darüber Gedanken macht und es mit einer realen Lebenssituation verknüpft, zeigt, welchen Tiefgang sein Denken haben könnte.

Seine innere Ruhe trotz seines überaus stürmischen Lebens ist beachtlich und deutet auf eine Vernunft und seelische Reife hin, die Jenny und Lieutenant Dan trotz ihres stärker ausgeprägten Intellekts nicht ansatzweise besitzen.

Unterscheiden wir einen Intellekt, der zur uns geläufigen Logik fähig ist, von der Weisheit, die einer höheren Logik folgt, welche der Weltvernunft noch mehr entspricht, dann würde das aus meiner Sicht wohl den Unterschied zwischen Jenny und Forrest ausmachen.

Forrest wurde gemobbt, misshandelt, kämpfte im Krieg, hat dort seinen besten Freund in seinen Armen sterben sehen, seine Mutter an Krebs verloren und seine beste Freundin und geliebte Frau verloren.

Und trotzdem hat er sich immer wieder gefangen und einfach weitergemacht. 🤷‍♂️

Auf der anderen Seite bekam er ein Stipendium als Footballspieler, erhielt einen Universitätsabschluss sowie eine „Ehrenmedaille“, brachte mehrere Fernsehauftritte hinter sich, wurde Tischtennisweltmeister und ein erfolgreicher Geschäftsmann.

Und trotzdem hat er einfach weitergemacht. 🤷‍♂️

Er ließ sich hauptsächlich von gegenwärtigen Impulsen leiten, einerseits von äußeren Stimmen seiner Mitmenschen und andererseits von seiner eigenen Stimme im Innern.

Die Vergangenheit ließ er hinter sich und die Zukunft plante er, wenn dann nur provisorisch, und war stets für jeden Richtungswechsel offen.

In der Gegenwart handelte er zwar öfter einmal sehr impulsiv, bewahrte aber langfristig seine innere Ruhe oder kehrte in der Regel schnell wieder zu ihr zurück.

Schließlich geht es in der Stoa auch nicht darum, ausnahmslos immer stoisch zu sein, sondern zu versuchen, bewusst möglichst stoisch zu leben.

Ob Forrest ein stoisches Leben aktiv angestrebt hat, ist zweifelhaft, weil er wahrscheinlich gar nicht so weit denken konnte, um dieses Konzept zu begreifen.

Er machte einfach und folgte seinem inneren Kompass, ohne darüber nachzudenken.

Er lebte zwar in gewissem Sinne so, wie die Stoiker sich ein vernünftiges Leben vorstellen würden, doch er selbst ist womöglich kein Stoiker. Er verhielt sich zwar stoisch, dachte aber möglicherweise nicht stoisch.

Forrests Leben wäre aber wohl beispielhaft und ein Traum für jeden Stoiker. Ob er wirklich ein Stoiker war, lässt sich jedoch ebenso wenig sagen, wie, ob der Philosoph Sokrates einer war. Denn dafür müssten wir Einblick in sein Innenleben erhalten.



“[…] vielmehr muss man darüber nachdenken, was für eine Seele Sokrates hatte und ob er imstande war,

sein Genügen darin zu finden, gegen seine Mitmenschen gerecht und fromm gegen die Götter zu sein,

ohne sich über die Schlechtigkeit anderer zu ärgern oder der Unwissenheit jemandes Zugeständisse zu machen oder etwas,

das ihm der Weltlauf brachte, als befremdlich zu empfinden oder als unerträglich hinzunehmen

oder seinen Geist durch Regungen des Fleisches in Mitleidenschaft ziehen zu lassen.” (Marcus Aurelius)


In der nächsten Lektion erwartet dich eine praktische Übung, mit Hilfe der du dich selber in Forrest Gumps stoischer Lebensführung versuchen kannst!

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Praktische Übung: Beherrsche dich… die stoische Perspektive im Alltag

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